Gartenbaumeister Sckell begeistert Altstadtfreunde

Besuch im Landschaftsgarten von Schloss Biebrich im Oktober 2023

„Es ist schon erstaunlich, was für einen wunderbaren Landschaftsgarten Friedrich Ludwig Sckell am Rhein bei Wiesbaden auf einem langen Handtuch von 300 mal 1300 Meter geschaffen hat,“ fast Josef Forman, Vorsitzender der Altstadtfreunde, nach einem Rundgang seinen Eindruck zusammen. Andere stimmten ihm zu: „Nach der Fahrt mit dem
Zug durch die umliegenden Industriegebiete können wir uns hier wie in einer anderen Welt fühlen.” Sckell, dem wir in Aschaffenburg Schönbusch und Schöntal verdanken, hatte in nur einem Monat 1817 einen Plan mit dem Ziel erarbeitet, einen barocken Lustgarten aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu erweitern und als Landschaftsgarten im englischen Stil neu zu gestalten. Ausgeführt wurde das Konzept dann von den Gärtnern des Herzogs, die Sckell in vielen Briefen von München aus beriet. Sie können auch heute noch als Anleitung zur Gestaltung eines naturnahen Gartens gelesen werden.

Der Eingang des Parks wird von dem prächtigen Schloss an der Rheinuferpromenade dominiert, und am Abschluss des leicht ansteigen Geländes setzt die rekonstruierte Ruine der Mosburg einen deutlichen Akzent als architektonische Parkstaffage. Verbunden werden beide Teile durch künstlich angelegte Bachläufe, gewundene Wege und eine langgezogene Wiese, die als Sichtachse vom Schloss Blicke bis zu den Höhen der bewaldeten Taunusberge eröffnet, während sie von dem See am oberen Ende das Schloss in der Ferne sehen lässt. Die Alleen aus der barocken Zeit, die Sckell auf Geheiß des Herzogs erhalten musste, irritieren den kundigen Blick des Betrachters, andererseits imponieren die alten, kräftig gewachsenen Bäume. Dichte Sträucher, welche die Anlage an den Längsseiten von der umgebenden Bebauung abschirmen, erzeugen einen intimen Charakter als Ort der kontemplativen Naturbetrachtung. Am Nachmittag besichtigte die Gruppe das neoklassizistische Kellereigebäude der ersten „Champagnerfabrik“ in Deutschland aus den Jahren 1907/1908, die 1832 in Mainz gegründet worden war, später nach Wiesbaden umzog und heute mit ihrem Markenprodukt „Henkell Trocken“ weltweit bekannt ist. Das Bauwerk überrascht Besucher mit seinem Doppelcharakter: In den Obergeschossen befinden sich der Marmorsaal mit seiner Treppenhalle, wie wir sie sonst nur in herrschaftlichen Schlössern sehen können, und die prunkvollen Repräsentationsräume. In den drei Untergeschossen bis 15 Meter unter Geländeniveau sind die Produktionsanlagen: die Weinkeller mit Eichenfässern aus der Gründerzeit und hochmoderne Abfüllanlagen. Die Altstadtfreunde hatten Gelegenheit, sich über einen besonderen Teil der Industriegeschichte zu informieren: von den Anfängen der Herstellung von Sekt aus Wein in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Handarbeit bis zu der vollautomatisierten, industriellen Produktion zu Beginn der 21. Jahrhunderts.

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