Aschaffenburger Altstadt im Wandel der Zeit

Aschaffenburger Altstadt im Wandel der Zeit
Mit den Altstadtfreunden rund um den Stiftsplatz

Löwen Apotheke AschaffenburgWenn wir durch die Altstadt gehen, nehmen wir schöne Gebäude eher beiläufig wahr. Aber der Fachmann kann an den Straßenzügen und der Architektur die Baugeschichte Aschaffenburgs ablesen. Die Aschaffenburger Altstadtfreunde und Bruno Geißel, ein ausgewiesener Kenner der Stadt und der Denkmalpflege, haben das Motto der Kulturtage „Transformation – Gesellschaft im Wandel“ zum Anlass genommen zu zeigen, wie sich Aschaffenburg im Laufe der Jahrhunderte verändert hat. Bruno Geißel konnte anschaulich erläutern, dass der Typus einer Stiftsstadt das bauliche Gefüge der Altstadt geprägt hat.

Im Gegensatz zu einem Kloster zeichnet sich ein kirchliches Stift dadurch aus, dass die Priester nicht im Stift, sondern in Stiftskurien um die Kirche wohnten. Schon im 10. Jh., vermutet Geißel, gab es in Aschaffenburg um die 20 Stiftsherren. Es entstanden stattliche Anwesen mit Wohnhaus Freifläche und Nebengebäuden im Bereich Badberg, Pfaffengasse und Dalbergstraße.

Diese Ansiedlung wohlhabender Stiftsherren hatte einen Anliefer- und Versorgungsbedarf: Bäcker, Metzger, Fischer, Schneider, Schuster, Schmiede sowie Bauhandwerker aller Gewerke. Landwirtschaftliche Produkte kamen aus den Besitzungen des Stiftes in der weiteren Region. Dazu kam anfangs eine Bauhütte mit sicher einer Vielzahl von Arbeitern. So entstand die Stiftsstadt: eine Siedlung mit Versorgungscharakter, am Main eine frühe Fischervorstadt.

In den folgenden Jahrhunderten wuchs die Stadt, auch weil Aschaffenburg im Mittelalter im Schnittpunkt wichtiger Verkehrsverbindungen (Tagesstation der Strecke Nürnberg – Frankfurt, fränkische Heerstraße von der Mosel kommend nach Würzburg, karolingische Königsstraße nach Worms) lag. Die Dalbergstraße (früher „Große Metzgergasse“, „Am Markt“ und zur Landingstraße hin „Zwischen den Toren“) war die natürliche Haupt- und Durchgangsstraße, da es schon Ende 10. Jh. (989) eine Holzbrücke gab. Diese wurde nach und nach durch eine Steinbrücke ersetzt, die für das 12. Jh gesichert ist.

Stadterweiterungen, ablesbar auch an Resten früherer Befestigungen, sowie neue Techniken und Baustile veränderten und verändern auch heute noch das Straßenbild. Das Ensemble Stiftsplatz, erläuterte Geißel am Anfang des Rundgangs, ist dafür ein hervorragendes Beispiel: Fachwerkhaus Dalbergstr. 11 (Löwenapotheke), im Stil um 1500, 1483 erstmals erwähnt, heute Nachbau von 1995; daneben Stiftsglöckner-Haus um 1750, Übergang vom Barock zum Frühklassizismus; Erdgeschoss des Stiftsmuseums, Gotik; Fassade der Stiftskirche von 1870, Neogotik; das Rathaus als architektonischer Solitär auf der Fläche von sieben Häusern der Vorkriegszeit; Dalbergstraße 16 (Ackermannhaus), Nachkriegsarchitektur von 1954.

Bei dem folgenden Gang durch die Altstadt waren viele weitere Beispiele zu sehen, an denen der Wandel der Zeit abzulesen ist. Darunter auch Häuser, die den Denkmalpreis der Altstadtfreunde für vorbildliche Restaurierung erhalten haben, wie Josef Forman, Vorsitzender der Altstadtfreunde, berichtete.

Die Kommentare sind geschlossen.